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Die Zukunft für Ihr Unternehmen
Online-Unternehmensbewertung: Warum diese systematisch in die Irre führen

Die Frage „Was ist mein Unternehmen wert?“ beschäftigt Unternehmer häufig nicht erst im Verkaufsfall. Nachfolgeüberlegungen, strategische Optionen oder schlicht Neugier führen viele dazu, Online-Bewertungstools zu nutzen.
Die Ergebnisse wirken konkret. Teilweise sogar professionell aufbereitet.
Doch die entscheidende Frage lautet:
Wie belastbar sind diese Werte tatsächlich?
Dieser Beitrag beleuchtet die strukturellen Schwächen von Online-Unternehmensbewertungen – und erklärt, warum sie immer zu falschen Entscheidungen führen.
1. Methodische Simplifizierung
Online-Tools arbeiten meist mit stark vereinfachten Modellen:
- Umsatzmultiplikatoren
- EBIT-/EBITDA-Multiples
- Standardisierte DCF-Modelle
- Pauschale Branchenfaktoren
Was fehlt:
- Individuelle Cashflow-Logik
- Working-Capital-Mechanik
- CapEx-Zyklen
- Zyklische Volatilität
- Risikoadjustierte Kapitalkosten
Das Ergebnis ist ein mathematisch sauber wirkender, aber ökonomisch unzureichend fundierter Indikationswert.
2. Die zentrale Schwäche: Falsche Datengrundlage
Noch gravierender ist ein strukturelles Problem, das häufig übersehen wird:
Online-Tools greifen in der Regel auf Jahresabschlussdaten zurück.
Doch der handelsrechtliche Jahresabschluss verfolgt eine andere Zielrichtung als eine investorenorientierte Bewertung.
Der Jahresabschluss dient primär:
- dem Finanzamt
- Gläubigern
- dem Vorsichtsprinzip (§ 252 HGB)
Er dient nicht der wertmaximierenden Darstellung nachhaltiger Ertragskraft.
Im Gegenteil:
Viele inhabergeführte Unternehmen nutzen bilanzpolitisch zulässige Spielräume zur Ergebnisreduzierung – aus steuerlichen Gründen.
3. Typische ergebnisverzerrende Positionen in inhabergeführten Unternehmen
In nahezu jedem mittelständischen Abschluss finden sich Positionen, die für Bewertungszwecke korrigiert werden müssen.
Überhöhte Personalkosten für Angehörige
Beispiele aus der Praxis:
- Studierende Kinder als „Werkstudenten“ mit Vergütungen über Marktniveau
- Ehepartner mit 15 Stunden Buchhaltung pro Woche bei 80.000 EUR Jahresgehalt
- Familienangehörige ohne operative Funktion auf der Gehaltsliste
Diese Aufwendungen würden einem fremden Dritten in dieser Form nicht entstehen. Bewertungslogisch handelt es sich um verdeckte Gewinnentnahmen.
Nicht betriebsnotwendige Aufwendungen
Typische Fälle:
- Private Reisen als Geschäftsreisen verbucht
- private veranlaßte Kosten über Betriebsausgaben dargestellt
- Sanierung des Unterwasserschiffs eines privaten Motorbootes – deklariert als „Reparaturaufwand Kfz“
- Luxusfahrzeuge ohne betriebliche Erforderlichkeit
- Jagd- oder Clubmitgliedschaften
Diese Positionen mindern das operative Ergebnis – sind aber für die nachhaltige Ertragskraft irrelevant.
Inhaberspezifische Vergütungsstrukturen
- Überhöhte Geschäftsführerbezüge
- Pensionszusagen mit hoher Dotierung
- Unübliche Tantiemeregelungen
Oder umgekehrt:
- Unterbezahlte Inhaber, die Gewinne thesaurieren
Beides verzerrt die EBITDA-Basis.
4. Mathematische Wirkung auf den Unternehmenswert
Bewertungsformel:
Unternehmenswert = EBITDA × Multiple
Ist das EBITDA aufgrund steuerlicher oder familiärer Struktur verzerrt, wirkt sich dies unmittelbar auf den Unternehmenswert aus.
Beispiel:
- Nachhaltiges EBITDA: 800.000 EUR
- Ausgewiesenes EBITDA: 600.000 EUR
- Markt-Multiple: 6x
Tool-Wert: 3,6 Mio. EUR
Tatsächlicher Wert: 4,8 Mio. EUR
Differenz: 1,2 Mio. EUR – allein durch fehlende Normalisierung.
5. Keine Transaktionslogik
Ein Online-Tool berücksichtigt nicht:
- Synergiepotenziale
- Käuferstruktur
- Earn-out-Modelle
- Working-Capital-Mechanismen
- Cash-/Debt-Position
- Deal-Struktur (Asset vs. Share Deal)
Der reale Kaufpreis entsteht jedoch genau in dieser Struktur.
6. Psychologischer Ankereffekt
Ein weiterer Risikofaktor ist psychologisch:
Ein angezeigter Wert wird zum mentalen Referenzpunkt.
Ist er zu niedrig, entstehen:
- Fehlentscheidungen
- vorschnelle Verkaufsüberlegungen
- falsche Erwartungshaltungen
Ist er zu hoch, blockiert er spätere realistische Verhandlungen.
7. Warum gibt es dann Online-Unternehmensbewertungen?
Die Antwort ist betriebswirtschaftlich einfach.
Nahezu alle Online-Bewertungstools dienen primär der:
- Lead-Generierung
- Identifikation verkaufsaffiner Unternehmer
- Pipeline-Entwicklung
Typischer Ablauf:
- Unternehmer gibt Kennzahlen ein
- Er hinterlegt Kontaktdaten
- Er erhält einen indikativ wirkenden Wert
- Es folgen E-Mails, Anrufe, Beratungsangebote
Das Tool ist Marketinginstrument – kein Bewertungsgutachten.
Problematisch wird es, wenn der Eindruck einer belastbaren Wertermittlung entsteht. Seriöse Anbieter und Profis die sich im Interesse ihrer Mandanten/Kunden mit der Unternehmernachfolge ernsthaft beschäftigen, nehmen von solchen Marketing-Instrumenten deutlich Abstand.
Das erklärt sich auch ganz einfach: Wenn Anbieter tricksen und falsche Vorstellungen wecken müssen, um an eine Beauftragung zu kommen – wann soll sich dann die Vertrauensbasis zwischen M&A-Partner und Mandant/Kunden bilden? Als Unternehmer sind sie doch mit einem Trick zum Abschluss gezogen worden. Wie können Sie erhoffen, dass mit dieser Ausgangshandlung später eine ordentliche, professionelle Transaktion umgesetzt wird?
8. Fazit
Online-Unternehmensbewertungen sind:
- maximal sehr grobe Orientierungsinstrumente für die Beispiel-GmbH, aber nicht für ihr individuelles Unternehmen
- reine Marketing-Tools
- generieren keine transaktionsfähigen Bewertungsgrundlagen
Wer eine belastbare Aussage zum Unternehmenswert benötigt, braucht:
- Bereinigung der Abschlussdaten
- Ableitung eines Adjusted EBITDA
- Markt- und Wettbewerbsanalyse
- Risikoadjustierte Kapitalkosten
- Transaktionslogik
- den USP/die Besonderheit, warum ein Käufer sich genau Ihr Unternehmen auswählen sollte.
Unternehmensbewertung ist keine Tabellenfunktion.
=> Sie ist eine strategische Entscheidungsvorbereitung!
Woran erkennen Sie also einen professionellen Partner für den Verkauf Ihres Lebenswerkes/ in der Unternehmernachfolge?
Neben weiteren Qualitätsmerkmalen (Zugehörigkeit zu führenden Mittelstandsverbänden u.a.) bietet er mit Sicherheit KEINE online-Unternehmensbewertung an.
